Skuld – Germanisch-nordische Schicksalsgöttin, Norne der „Zukunft"

Die Norne Skuld steht für das „Werdensollende“. Sie ist im Gegensatz zu den anderen Nornen Urd und Werdandi eine unberechenbare Macht, die keine Liebe zu den Menschen und Gottheiten hegt.

 Die „Werdensollende“ 

Die Norne Skuld steht für das „Werdensollende“. Sie ist im Gegensatz zu den anderen Nornen Urd und Werdandi eine unberechenbare Macht, die keine Liebe zu den Menschen und Gottheiten hegt.

Emotionslos und unerbittlich setzt sie die Zwänge des Schicksals um. Ihr Name ist auch mit dem Wort „Schuld“ verwandt, denn das Schicksal baut immer als logische Konsequenz auf der Vergangenheit und den darin liegenden Taten (der Schuld) auf. Es ist damit nicht eine starre festgelegte Bestimmung sondern ein dynamisches Werden, das sich immer wieder selbst gestaltet und aus seinen Ursachen hervorbringt.

Hüterin der göttlichen Gerechtigkeit

Skuld ist auch die Göttin des göttlichen Gesetzes, die Hüterin der göttlicher Gerechtigkeit, die oftmals das menschliche Verstehen übersteigt. Sie trägt einen Schleier, denn sie verhüllt noch das, was kommen wird. In jeder Hand hält sie ein ungeöffnetes Buch oder eine zusammengerollte Schriftrolle.

Ihr Blick ist stets in die entgegengesetzte Richtung vom Blick der Vergangenheitsnorne Urd gerichtet. Nächtens streift Skuld durch die Wälder. Ehrerbietig wird sie von den Menschen eingeladen und um Weissagung gebeten.

Auf dem Schemel Seidhjallr sitzend lässt sie diese an ihrem Zauber „Seiðr“ teilhaben  (siehe auch Freya, Gullveig, Völva).

Als Schicksalsgöttin der Zukunft ist Skuld auch die Norne des Todes (denn dieser liegt in der Zukunft). Präziser ausgedrückt ist sie eigentlich die Göttin des Vergehens oder der Auflösung, weil dies ein natürlicher Teil des Schöpfungsgeschehens und des Lebens ist.

Der Wille ist in der Gegenwart beheimatet

Interessant im Zusammenhang mit Skuld ist, dass die nordische Kultur, die die Vorstellung der Nornen hervorbrachte, den Begriff  „Zukunft“ eigentlich gar nicht kannten. Die germanische Grammatik sah keinen Zukunftsbegriff vor.

Man kannte nur Vergangenheit und Gegenwart. Deswegen heißt Skuld wahrscheinlich auch etwas umständlich nicht die „Werdende“ sondern die „Werdensollende“ oder die „Werdenwollende“, weil der Wille in der Gegenwart beheimatet ist.

Noch in der viel späteren deutschen Sprache lässt sich eine Zukunftsform nur über die kleine Krücke von Hilfsverben bilden: Gegenwart: „Ich gehe“ – Vergangenheit: „ich ging“ – Zukunft aber nicht: „ich gong oder gung“, sondern „Ich werde gehen“.

Skuld kann als „Zukunfts“-Norne also nicht in die Vorstellung einer linear verlaufenden Zeit eingebettet werden, sie befindet sich in ständiger Rückbindung an ihre Schwestern Urd und Werdandi.

Man könnte auch sagen, Skuld ist die Personifizierung dessen, was Werdandi an Urd verändert.

auch: Skulda

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