Har – Sumerisch-babylonische Friedensgöttin

Har ist vermutlich ein Aspekt der Göttin Ischtar. So wurde Ischtar bezeichnet, wenn man von ihr als „Mutter der Huren“ sprach – ein wesentlicher Aspekt im Kult dieser Göttin. In ihren Tempeln wirkten die Harines, ihre Hohepriesterin Harine war die spirituelle Gebieterin der „Stadt Ishtar“. 

Die heilige, große Hure

Har ist vermutlich ein Aspekt der Göttin Ischtar. So wurde Ischtar bezeichnet, wenn man von ihr als „Mutter der Huren“ sprach – ein wesentlicher Aspekt im Kult dieser Göttin. In ihren Tempeln wirkten die Harines, ihre Hohepriesterin Harine war die spirituelle Gebieterin der „Stadt Ishtar“. 

Die Tätigkeit der Tempeldienerinnen, von denen unser Wort „Huren“ stammt, war alles andere als das, was wir uns unter Prostitution vorstellen. Dies war ein tiefer kultureller Grundbestand mediterraner Deutungen von Frieden. Denn wo mit Freude geliebt und Sinnlichkeit genossen wird, kann – zumindest in diesem Moment – nicht gekämpft werden.
Die Priesterinnen waren daher mit ihrer Gabe durch und durch friedensstiftend. In periodischen Abständen wurden in den Tempeln große Friedensfeste veranstaltet. Besucher suchten bei den Harines, die als Töchter der Großen Göttin oder eben der „Großen Hure“ Har angesehen wurden, neben Rat und Geborgenheit auch sexuelle Ekstase und mystische Erleuchtung und fanden diese wohl auch. 
Dies wurde als friedensbewahrende Grundvoraussetzung angesehen.

Im antiken Babylon dienten viele einfache Frauen vor ihrer Ehe im Tempel. Sie nahmen als „Heilige Huren“ einen hohen gesellschaftlichen Rang ein und wurden für ihre Bildung sehr geschätzt. Könige mussten im Sinne des Friedens im Tempel der Har ihre Zeugungskraft und Fruchtbarkeit beweisen. 

Harmonie als Basis für den Frieden

Nicht von ungefähr stammt auch das Wort Harmonie von der Göttin Har ab. Der Begriff des Friedens wurde in der Kultur der Har nicht als ein normativ bestimmter Zustand angesehen, sondern basierte in der Gemeinschaft auf Harmonie, auf innerem Frieden, der auf das Außen wirkt.
Frieden aus Harmonie ist nicht lokal begrenzt, sondern durchschreitet als Prinzip der Großen Göttin Zeit und Raum.

Die drei Buchstaben des Namens HAR sind sozusagen Programm: H ist der göttliche Atem, der Lebenshauch, A steht für das All-Eine und R für Rhythmus oder Ritual.

Die Taube als Symbol der weibliche Schöpfungskraft

Das Zeichen der Har ist eine weiße Taube, die im matriarchalen Kult des alten Orients das Tier für die weibliche Schöpfungskraft, für Fruchtbarkeit und Harmonie stand, ehe die patriarchalen Monotheisten es zu einem Friedensbotschafter Gottes umdeuteten: Erst mit Olivenzweig im Schnabel als Hoffnungsträger in der Erzählung von Noahs Arche, später dann als Gestalt des Heiligen Geistes (siehe Sophia) im Neuen Testament. 

Die Taube ist kein Symbol der Göttin Har, sondern die Göttin selbst.
Es lässt sich sagen, dass die Taube in vielen alten und modernen Kontexten für Frieden und Liebe steht, mit einer Ursprungsidee, die auf die Göttin Har und ihren Kult zurückgeht.
Wir finden sie bei zahlreichen Göttinnen wieder, wie
AstarteAnahitaEurynome und und später auch bei Aphrodite und der Venus.
Schließlich wurde sie zum Symbol des sogenannten Heiligen Geistes, wie die Weisheitsgöttin Sophia genannt wurde – das weibliche Element in der christlichen Dreifaltigkeit.

Die „Erhabene Taube“ Jahi (auch Iahu) war ursprünglich der sexuelle Aspekt der sumerischen Göttin Inanna. Vor ihr usurpierten die eindringenden semitischen Stämme sowohl den Namen, wie auch das Symbol. Die Taube verkam zum zentralen Opfertier, die sexuelle Komponente wurde verdrängt. Aus der friedvollen Jahi wurde Jahwe – vorerst ein Wetter- und Kriegsgott, aus der Taube, die für allumfassende und lebensschenkende weibliche Sexualität stand, wurde der asketische Heilige Geist. 

Huren, Harem und Ordnungsgöttinnen

Aus den Harines wurden in unserem Sprachgebrauch nicht nur die Huren, sondern auch die „Huri“, jenes Wort, das der Koran für die 72 Paradiesjungfrauen benutzt, die im Paradies einem Mann beigeben werden, besonders, wenn er „Heldentaten“ vollbracht hat.

Der Schwarze Stein, der in der Kaaba in Mekka aufbewahrt wird, ruht im Haram, verwandt mit „Harem“, was früher einen spirituellen Frauentempel bezeichnete und auf Schrein der Göttin Har in Babylon zurückgeht.

Verwandt mit der Göttin Har sind auch die Horen – griechische Göttinnen der Ordnung und der Jahreszeiten. Sie sind jene mythologischen Gestalten, die das geregelte Leben überwachen und damit auch für friedliche Zustände sorgten. Die Horae-Priesterinnen führten auch – inspiriert von den Horen – Männer in die sexuellen Mysterien ein. Auch das wurde, wie bei den Harines der Göttin Har, als eine heilige Handlung verstanden. Wobei sich auch hier wieder das von ihnen abgeleitete Wort „Huren“ relativiert. Das Wort Horai soll von „ich rege an“ oder „ich bewahre“ herrühren.

 

 

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