Fauna – Römische Göttin der wilden Natur

Fauna ist eine Tier- und Fruchtbarkeits-Göttin, nach ihr wurde die Tierwelt Fauna benannt. Sie war die tiergebärende Mutter, die Beschützerin alles Lebens in Wald und Flur, das wilde, unbezwingbare Element.

Ungezähmte Wildheit

Fauna ist eine Tier- und Fruchtbarkeits-Göttin, nach ihr wurde die Tierwelt Fauna benannt. Die Wurzeln von Fauna als Göttin der wilden Tiere reichen lange zurück in eine Epoche vor der Erfindung der Landwirtschaft, vermutlich in die Jungsteinzeit.

Sie war die tiergebärende Mutter, die Beschützerin alles Lebens in Wald und Flur, das wilde, unbezwingbare Element. Im Laufe der Geschichte wurde Fauna zivilisiert bzw. domestiziert und in der römischen Kaiserzeit mit Bona Dea gleichgesetzt, deren wahrer Name von den Priesterinnen geheim gehalten wurde. Ihr Kult bestand im Römischen Reich wahrscheinlich seit dem 3. Jahrhundert v.u.Z.
Sie hatte in Rom einen Tempel auf dem Aventin.

Der geheime Namen der „Guten Göttin“

Bona Dea ist ja tatsächlich nur eine Umschreibung – die „Gute Göttin“. Mit der Geheimhaltung ihres wahren Namens (der wahrscheinlich Fenta Fauna oder Fenta Fatua war) und damit auch ihres wahren Naturells wollten sich die Frauen offenbar auch schützen und ihre wilde unabhängige Seite, die Kraft, die sie aus der Göttin Fauna und deren Lebensbereich schöpften, nicht preisgeben.

In Faunas Zuständigkeitsbereich als Bona Dea fielen damit auch die Fruchtbarkeit von Feldern und des Viehs, die Landwirtschaft (also das „gezähmte“ Land und die domestizierten Nutztiere), sie war Heilungs- und Segensgöttin und – in ihrer Ausprägung als Fenta Fatua – auch zuständig für Orakel, Weissagungen und das helle Sehen. Ihr allumfassender Fruchtbarkeitsaspekt und ihre ungezähmte Wildheit wird auch durch ihren Partner, den Satyr Faunus (der auch als ihr Vater, Bruder bzw. Sohn dargestellt wird) unterstrichen.

Hier gibt es Parallelen zu dem androgynen Dianus, der mit der Gestalt der Diana verschmolz, die auch als die Mutter der wilden Tiere galt und die als ihre griechische Entsprechung Artemis unzählige Brüste hat, vermutlich um alle Wesen zu säugen und zu nähren.

Der Satyr Faunus ist auch mit dem keltischen Cernunnos („Green Man“) vergleichbar. Sein Name wird als „der Gehörnte“ gedeutet und er wird zumeist als Gott der ursprünglichen Natur und der Fruchtbarkeit interpretiert. Diese Gestalt wurde später als Vorlage für den christlichen Teufel entlehnt bzw. missbraucht. So wurde aus dem Gefährten der Fauna, der mit ihr gemeinsam Fruchtbarkeit bringt, der Schrecken aller Menschen und aus ihr, die es ja mit dem Teufel „treibt“, die Vorlage für alle Hexen.

Fauna selbst wurde oft als alte Frau (so alt wie die Natur und der Wald) dargestellt, dies deutet auf ihren Aspekt der weisen alten Muttergottheit. Ihr Alter wird auf Darstellungen oft auch mit spitzen bzw. großen Ohren demonstriert. Da die Ohren der einzige Körperteil sind, der nie zu wachsen aufhört, haben alte Menschen auffallend große Ohren.

Von der segenreichen Muttergöttin zu des „Teufels Großmutter“

Unter christlichen Einfluss wurde die segensreichen alten Göttin Fauna in des „Teufels Großmutter“ umgedeutet. In unseren Breitengraden wurde aus ihr die unheimlich und hässliche Percht, die in ihrer ursprünglichen Bedeutung eine Lichtgestalt (althochdeutsch: „perath“ = leuchtend, strahlend, prächtig, glänzend) war.

Dazu machten die christlichen Kirchenväter im (ostalpinen) Abendland aus dem (4./) 5. Dezember, dem Fest-Tag der fruchtbaren Fauna bzw. Bona Dea den schrecklichen „Krampus-Tag“, an dem die Rute (des Faunus) nicht mehr der symbolischen Befruchtung dient, sondern der – als Umzugs- und Masken-Brauchtum getarnten – gewaltsamen Züchtigung von Frauen und Kindern.

Aus diesen lebensbejahenden und fruchtbaren Figuren alter Mythen wurden damit und teuflische Gestalten, die das Leben bedrohen und Angst und Schrecken verbreiten. Oft wird Fauna in Begleitung von wilden Tieren, so wie sie in unseren Wäldern vorkommen, dargestellt. Auf manchen Darstellungen hält sie eine Schlange in ihren Händen.

Die Schlange als Kreissymbol weist auf das Werden und Vergehen der Natur, auf Häutung, zyklische Kräfte und Wiedergeburt hin. Die zusammengerollte oder verknotete und „brütende“ Schlage symbolisiert eine verborgene und heimliche Kraft/Macht.

Huldvoll, freundlich und unterstützend

Als Faun (in geschlechtsneutraler Form) wurden auch beschützende Wesen von bestimmten (geheimen) Plätzen, oft tief im Wald angesehen. Plätze, an denen Zauber- und Heilpflanzen wuchsen, an die sich von der Gesellschaft ausgestoßene und geächtete Personen zurückziehen konnten und wo auch naturverbundende Rituale abgehalten wurden. Wenn Menschen so ein „Faun“ erscheint, können sie sich nicht sicher sein, ob sie nun ein Tier, einen struppigen einsiedlerisch lebenden Waldmenschen oder tatsächlich ein Wesen aus der „Anderswelt“ wahrnehmen.

Gut ist auf jeden Fall, diesen Ort mit größter Umsicht und Respekt zu behandeln, Nahrung zu hinterlegen, wer weiß, vielleicht bedarf selbst man eines Tages den Schutz des Platzes und des dort lebenden Wesens. Denn die Sprachwurzel des Namens Faun, Fauna bzw. Faunus liegt im lateinischen „faveo“ — befreundet sein, unterstützen, Beistand leisten.

Daraus leitet sich auch das englische „favor“ ab, was soviel wie Gefallen, Huld, Gunst, Bevorzugung (siehe das deutsche „Favorit“) bedeutet. Fauna unterstützt und beschützt alles Wilde und Frauen, vor allem jene, die ihre Wildheit, Freiheit und Ungebundenheit leben bzw. wieder leben wollen.
Ihre speziellen „Favoritinnen“ sind die jungen („jungfräulichen“) Frauen, die in ihrer Ursprünglichkeit auch in der wilden Natur ihren Ausdruck findet.

Die Vernetzung der „wilden“ Göttinnen

Sie wird auch mit einer ganzen Reihe Göttinnen anderer Kulturkreise in Verbindung gebracht. Sind ihre Wurzeln in kleinasiatischen Göttinnen wie Inara, Astarte bzw. in römisch-griechischen Göttinnen wie Britomartis, Dictynna, Artemis und Diana wurde Fauna im Laufe der Ausdehnung des Römischen Imperiums vor allem mit ähnlichen Göttinnen-Vorstellungen im keltischen Kulturkreis kompatibel.

So ist sie z.B. in ihrer huldvollen Ausprägung mit der keltischen Hulda (auch: Holla) verwandt. Auch das Prinzip der ursprünglichen Wildheit, für das Fauna steht, findet sich selbstverständlich auch anderswo. Ob Dana, Abnoba, Arduinna, Flidhais, Cailleach, Rigani oder die Bethen, vor der Einführung des Christentums als Staatsreligion, „vertrugen“ sich römische und keltische Mond-/Wasser-, Tier- und Fruchtbarkeits-Göttinnen ohne größere Reibung — waren sie doch im Wesentlichen miteinander „verwandt“.

Erst die zuvor unbekannte Methode der „christlichen“ Verteufelung machte aus den vertrauten Mutter-Göttinnen und ihren Heroen „Höllen-Gestalten“. Mit Fauna können Frauen ihre wilde, ursprüngliche ungezügelte Lebenskraft (wieder) entdecken.

Das geht denkbar schwer in der „zivilisierten“ Welt von gestylten Klamotten, aufgeräumten und geputzten Wohnungen, schicken Restaurants, anständigen Jobs und braven Beziehungen.

Aber: erst einmal den Geschmack davon bekommen, lässt sich dies durchaus auch in diese Bereiche transferieren. Fauna entdecken wir am besten an jenen geheimen Plätzen in der freien Natur, in unseren inneren unfügsamen, ungestümen Anteilen.

Tipp: In Begleitung anderer „wilder“ Frauen oder eines Faunus macht die Entdeckung der Fauna noch mehr Spaß!

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